Sommerpost 2026

mit fröhlichen Grüßen

von 

Silke Willms & Philipp Peter

alias

Peter Willms

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Boadbüxen


Die Tochter, Wahlhamburgerin, war zu Besuch bei Ihrer Mutter in ihrer Heimat Ostfriesland. Schon seit Wochen war schönstes Sommerwetter. Beim Frühstück fragte die Tochter: „Mama, wann warst du das letzte mal am Strand? Lass uns mal zum Baden fahren.“ 
Die Mutter reagiert nicht.
„Mama, wann warst du das letzte mal schwimmen?“
„Oh, dat weet ick nich. Is schon n’bietsche lange her.“
„N’bietsche lange“, fragt die Tochter, „heißt?“
„Fief Johr bestimmt. Viellicht og mehr.“
„Dann fahren wir morgen zum Strand und gehen schwimmen.“
„Dann mutt’n wi wiet fohrn, hier is bloot Watt“, erwiderte die Mutter und dann fällt ihr ein, „ick häb gor kien Boadbüx. Min old is seeker gaud dree Nummern tau lütsched.“
„Dann kaufen wir vorher noch einen schönen Badeanzug für Dich.“
„Meeenst dat? Vor een mol schwemm’?“
„Mama, Du fährst doch gerne nach Holland in die Therme, da kannst du den dann doch auch anziehen.“
„Dor bün ick ook all lang nich mehr west.“
„Morgen kaufen wir einen neuen Badeanzug und gehen dann schwimmen und im Herbst kannst du dann damit nach Holland in die Therme.“
„Meenst datt?“
„Ja klar, da bist du immer gerne hingefahren, das weiß ich doch.“
Am anderen Tag fuhren beide in die „große norddeutsche Hafenstadt mit zwei Buchstaben“ - wie die Ostfriesen sagen - nach „Em.“ 
In Emden sahen sie sich in einem Textilgeschäft um. Über einem Tisch mit bunten Badesachen hingt ein Schild: Kinder. Über einem anderen: Damenbikinis.
„Wir müssen dort gucken“, sagte die Tochter und ging in Richtung Damenbikinis. „Meinst du, die haben auch Herrenbikinis?“ machte sie sich über das Schild lustig.
Eine Verkäuferin kam auf die Beiden zu und fragte: „Kann ich helfen?“
Die Mutter antwortete ohne zögern: „Ick brug en niee Boadebüx.“
Die Verkäuferin war etwas verwirrt. Die Tochter flüsterte ihrer Mutter zu „Sie spricht kein Ostfriesisch, Mama …“, weiter kam sie nicht.
„Een Badehose“, wiederholte die Mutter.
„Eine Badehose - für ihren Mann? Welche Größe?“
„Nee, för mi“, sagte die Mutter, zeigte auf die Bikinis auf dem Ständer und ergänzt: „för’n Bikini bin ick tau old.“
Die Verkäuferin war völlig verwirrt. Die Tochter erklärte: „ Einen Badeanzug für meine Mutter, bitte. In Ostfriesland gibt es kein Wort für Badeanzug. Da heißt alles zum Schwimmen, egal ob für Frauen, Männer oder Kinder, Boadbüxen.“

Nach dem Baden saßen sie am Strand in der Sonne. Ein paar Meter weiter eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Die Kinder bauten einen Hafen mit einem Kanal zum Wasser. Immer wieder holte eines der beiden Wasser in einem Eimer und kippte es in den Kanal. Manchmal spülte auch eine größere Welle hinein. Die Kinder waren nackt und von oben bis unten voller Sand. Sie hatten ihren Spaß beim Buddeln und Wasser holen. 
Als die Eltern aufbrechen wollen, meinte der Vater zu seiner Frau: „Wir baden nochmal kurz, den Sand abspülen, und dann gehen wir los.“ 
„Gut, geh du mit ihnen nochmal ins Wasser, ich packe schon zusammen“, meinte die Mutter und packt ihr Buch und die Zeitschriften in eine große Strandtasche. 
Der Vater rief den Kindern zu: „Wir wollen langsam los, vorher noch einmal ins Meer?“
Die beiden Kleinen reagierten nicht.
„Wer zuerst bis zum Bauch im Wasser steht ,bekommt heute Abend ein Eis“, lockte der Vater, stand auf und ging zum Wasser. 
„Auf die Plätze, fertig. los“, rief er und tat so, als wolle er loslaufen.
„Nein, nein ... warte“, rief der kleinere der Beiden „ich muss erst meine Badehose anziehen.“