Weihnachtspost 2025
wir wünschen eine schöne Weihnachtszeit, Muße zum Lesen
und am Ende einen guten Rutsch.
*****
Und wenn's alte Jahr erfolgreich war, freut euch aufs Neue.
War's schlecht, erst recht.
(nach Albert Einstein)
Kindererlebnisse
( nach einem wahren Ereignis )
Sie hatten sich zum Adventskaffee getroffen. Sie kannten sich von den Kindern her, die zusammen in den selben Kindergarten gingen. Die Kinder spielten im Kinderzimmer. Brummeln, Klopfen und Klappern war von dort zu hören. Also war alles in Ordnung. Wenn Kinder etwas anstellen, geht das meist in aller Stille vor sich. Das wussten die Eltern.
Auf dem Adventskranz brannten vier Kerzen. Die Eltern unterhielten sich über ihre Kinder und die Weihnachtszeit in ihrer eigenen Kindheit. Einer der beiden Väter erzählte, dass er sich gerne dran erinnert, wenn sie bei seiner Großmutter waren. Von seiner Großmutter hatte er den Trick mit den Orangenschalen. Sie knickte Orangenschalen über einer Kerzenflamme um und quetschte sie fest zusammen. Dabei gab es ein kleines Feuerwerk, Funken sprühten durch die Flamme. Alle guckten gespannt.
Um es zu demonstrieren, nahm er eine Mandarine von dem Weihnachtsteller, schälte sie, hielt ein Stück Schale über eine Kerze des Adventskranzes, knickte sie um und ließ die Funken sprühen, wie es damals seine Großmutter getan hatte. Feiner Duft breitete sich aus.
Eine Mutter erzählte, dass ihre Oma manchmal vom Tannenbaum oder dem Adventskranz einen kleinen Zweig abschnitt und die Nadeln über einer Kerze ansengelte. Weihnachtlicher Tannengeruch lag dann in der Luft.
Auch dieses Kindheitserlebnis holte der Gastgeber aus der Erinnerung in die Realität, brach einen kleinen Zweig aus dem Adventskranz und hielt ihn über eine der Kerzen. Es zischte, knisterte und Tannenrauch mischte sich mit dem Duft der Orangenschalen.
Aus dem Kinderzimmer war jetzt blechernes Trommeln zu hören. Die Kinder spielten.
„Früher hatten wir richtige Kerzen“, sagte eine Mutter und betrachtete den Weihnachtsbaum.
„Wir auch“, stimmte die andere ein. „Aber jetzt, mit den Kindern, lieber elektrische, ist sicherer.“
Mit kleinen Kindern musste man vorsichtig sein, zu schnell war etwas passiert. Alle nickten zustimmend.
„Mit Kindern kann man nicht vorsichtig genug sein“, ergänzte ein Vater und wieder stimmten alle zu.
Dann war die Zeit des Aufbruchs gekommen. Natürlich wollten die Kinder noch viel länger spielen und nörgelten. Sie hatten die große Kiste mit Legosteinen auf dem Boden ausgekippt und sie zwischen den Holzklötzen und Tieren des Bauernhofs verteilt. Sie saßen in einem Meer aus Spielzeug. Angebissene Kekse lagen dazwischen und ein Saftbecher.
Es dauerte eine ganze Weile, bis alle, mehr oder weniger freiwillig, dicke Anoraks, Mützen, Skihosen und Winterstiefel angezogen hatten. In einem Moment, als alle still da standen und der Besuch gehen wollte, war ein leises Knistern zu hören. Durch die Scheibe der Wohnzimmertür flackert es.
„Ich glaube, es brennt!“, schrie eine Mutter.
Einer riss die Wohnzimmertür auf.
Der Adventskranz stand in Flammen.
„Schnell, schnell raus hier!“
„Die Feuerwehr, wir müssen die Feuerwehr rufen … schnell, eins, eins, zwei“, rief die Gastgeberin panisch.
„Ein nasses Handtuch“, rief der Hausherr und rannte zum Bad. Kurz darauf kam er mit einem nassen Badetuch zurück, rannte ins Wohnzimmer. Dort stand der andere Vater, hielt eine Apfelsaftflasche über den Adventskranz, schaute den Hausherrn fragend an und rief: „Soll ich löschen, soll ich löschen?“
„Nicht, nein“, rief der Gastgeber, „hab ein nasses Handtuch“, breitete es aus und warf es über den brennenden Adventskranz.
Es roch nach Qualm von verbrannten Orangenschalen, Tannennadeln, lackiertem Holz und nassem Badetuch. Der Brand war gelöscht. Der Gastgeber hob vorsichtig das triefende Handtuch. Dicker Qualm breitete sich aus. Die Holzplatte des kleinen Tisches war kreisförmig angebrannt.
Die Kinder beobachteten neugierig und mit offenen Mündern das Treiben ihrer Eltern.
( aus: Ölsardinen Pasteten & Champagner )
Fröhliche Grüße
Silke Willms & Philipp Peter